Anna K. Kleeberg
Plastik

Detlev van Ravenswaay
Malerei

Ausstellungsdauer: 24.01.2015 bis 10.04.2015

Anna K. Kleeberg und Detlev van Ravenswaay fliegen – zur Venus, ins Universum – in ihren Gedanken, ihrer Bildsprache, in ihren künstlerischen Ideen und deren Umsetzung. Was sie antreibt, ist der Blick hinter den Horizont und der Weg zu neuen Horizonten. Beide Künstler heben im wahrsten Sinn des Wortes vom Boden der Tatsachen ab.

Detlev van Ravenswaay war schon als Kind von den Bildern vom Mond und den Planeten fasziniert. „Da hatte es mich gepackt. Da wollte ich hin und ich wollte zeichnen“, erinnert sich der heute 58-Jährige. In mehr als 3500 Illustrationen dokumentierte er die astronomischen und raumfahrttechnischen Fortschritte der Menschheit. Heute verteilt SciencePhoto London seine Bilder über unseren blauen Planeten, zur Nutzung in Magazinen, Zeitungen und Büchern. In den letzten Jahren hat er die vertrauten Pfade verlassen und widmet sich zunehmend der freien Kunst. Er wagt den Schritt von der Dokumentation wissenschaftlicher Fakten in seinen Illustrationen hin zur aktiven Gestaltung eigener Bilder.

Terrestrische Multihorizonte 60 x 60cm, Öl auf Leinwand D. v. Ravenswaay, 2014
Terrestrische Multihorizonte
60 x 60cm, Öl auf Leinwand
D. v. Ravenswaay, 2014

In den Streifenmotiven der Serie „Multihorizonte“ verarbeitet van Ravenswaay Eindrücke und Assoziationen aus der SPACE ART. „Wie auch beim Sonnenuntergang am Erdboden variieren die Farben des Horizontes vom Orbit aus. Dabei bestimmen Gase und Schwebstoffe die Farben durch Brechung des

Sonnen- bzw. Sternenlichts. Inzwischen wiesen die Astronomen über 1000 Exoplaneten nach.“ Ihre möglichen Sonnenuntergangseffekte fasst van Ravenswaay in seinen Bildern zusammen. Ob von oben nach unten oder von links nach rechts, in der Schwerelosigkeit gibt es kein Oben und kein Unten.

Venussuche III 50x50x50cm, Mischmaterial mit Blattgold A. K. Kleeberg, 2015
Venussuche III
50 x 50 x 50cm, Mischmaterial mit Blattgold
A. K. Kleeberg, 2015

Anna Kathrin Kleeberg entdeckte die Themen „Fliegen“ und die Frage nach dem, was hinter dem Horizont jenseits des unmittelbar Sichtbaren liegt 2007, als ihre Assistenztätigkeit bei Prof. Jörg Immendorff – mit dem Tod des Meisters endete. Der Freiheits- und Unabhängigkeitsgedanke beinhaltet für sie bis heute das Fliegen und die Schwerelosigkeit. „ ZERO G – and I feel fine! John Glenn- erster US-Astronaut, der die Erde umkreiste, dieser Satz fasziniert mich immer wieder – könnte auch von mir sein,“ grinst die 38- Jährige. Flugmenschen, Fluggedanken, Luftkraft und die Sehnsucht nach der Ferne, dem nicht mehr sicht- und greifbaren Raum sind ihren Sammlern als Titelmotive seitdem vertraut. Mit dem Titel Venusflug treten beide Künstler in einen Dialog zum Thema Fliegen und der menschlichen Sehnsucht nach Weite und und dem Aufbruch zu neuen Horizonten. In den Dialog fließt auch eine Auseinandersetzung mit der Kindheit ein.

Venus I 70 x 100cm, Kohle / Gouache auf Papier A. K. Kleeberg, 2015
Venus I
70 x 100cm, Kohle / Gouache auf Papier
A. K. Kleeberg, 2015

Als die Weltraumforschung noch in den Kinderschuhen war, gab es für Ravenswaay die Astronauten und die Schimpansen Ham und Enos, für Kleeberg waren es Kosmonauten und die Hündin Laika.

Das Universum und die Politik, das Universum und die Unendlichkeit sind heute Themen, mit denen sich Anna Kathrin Kleeberg und Detlev van Ravenswaay künstlerisch auseinander setzen. Auch wenn Technik und Wissen heute Enormes leisten, und eine Milliarde Euro vertretbare Kosten sind, – denken wir an die derzeitige Weltraummission Rosetta, an der wir Menschen zeitnah teilnehmen dürfen – lässt sich das Universum seine Geheimnisse nicht entlocken. Die Faszination für das, was wir sehen und was wir uns vorstellen, bleibt trotz aller Errungenschaften bestehen – und spiegelt sich in den Bildern und Plastiken, einem Ausschnitt des Schaffensprozesses beider Künstler, wieder.

Schönwetterwolken 60 x 40 cm, Öl auf Leinwand D. v. Ravenswaay, 2014
Schönwetterwolken
60 x 40 cm, Öl auf Leinwand
D. v. Ravenswaay, 2014

Malerisch sensibel, emotional tiefgründig stellen van Ravenswaays Wolkenmotive einen Ausschnitt vom Ganzen – dem Wolkenhimmel – dar. Das Abbild – Ein Innehalten der BewegungWie Dias aus den 70er Jahren wirken sie verträumt, pastellfarben und stehen für die Schönheit der Bilder des Himmels, der Sterne und der Erdatmos-phäre. Demgegenüber stehen – in direkter, provokanter Sprache – die Plastiken von Anna K. Kleeberg.. Ihre Venussuche I – VIII , sind blind. Ihre Köpfe blicken gen Himmel, doch die Augen sind verdeckt. Sie suchen nach dem, was hinter der sicht- und greifbaren Welt liegt und das man mit bloßem Auge nicht erfassen kann. Wie Radarantennen richten sich die Köpfe auf. Was passiert, wenn wir nur noch hören, riechen, schmecken und tasten können? Im doppelten Sinn „kopflastig“ fragt die diplomierte Bühnenbildnerin und Malerin. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, diese Formen in Bronze später abgießen zu lassen, wenn alles aus einem matt reflektierenden Material sein wird, kann das versachlichen und sehr reizvoll sein.“, so die Künstlerin, die 2013 ihren ersten Flugmenschen lebensgroß in Bronze hergestellt hat.

Frida Lau, Kunstmagazin INDEX